Die Münchner Sonnenstraße - fast ein Boulevard

 

 

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Spannungsvoller Stadtraum Sonnenstraße. Einmal mehr, einmal weniger geweitet.

 

Trotz des überwältigenden Verkehrs hat die Sonnenstraße das stadträumliche Potential zu einem echten Boulevard. Der spannungsvolle Stadtraum definiert sich durch seine baulich klar artikulierten Ränder, seine solitär wirkenden Fixbauten und eine der Stadt München angemessene Maßstäblichkeit. Prominente Einzelbauten - wie der Kaufhof von Theo Papst oder das Baudenkmal der ehemaligen Frauenklinik von Friedrich von Bürklein - führen in die Straße, die einmal mehr und einmal weniger geweitet ist. Auf halber Strecke sorgt ein Richtungswechsel nicht nur für abwechslungsreiche Perspektiven, sondern auch für ein stimmungsvolles Spiel von Licht und Schatten an den begleitenden Fassaden. Die Stadtrondelle am Karlsplatz-Stachus und Sendlinger-Tor-Platz geben dem potentiellen Boulevard einen Anfang und ein Ende.



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Präzise Ränder, Solitäre und Maßstäblichkeit. Stadtrondelle an Anfang und Ende.
 

Mit der Niederlegung der Bollwerke hatte Friedrich Ludwig von Sckell zu Beginn des 19. Jahrhunderts den gesamten Bereich in offener Bauweise als Gartenstadt konzipiert. Dem Konzept lag die von August von Vorherr in München eingeführte sogenannte "Sonnenbau-Lehre" von Christoph Faust zu Grunde. Die Ausrichtung der ersten Bauten zur Sonne gab dem Straßenzug schließlich seinen Namen. Die schnell wachsende Stadt verdrängte allerdings schon bald die offene Grundstruktur. Stadtplanerische Eingriffe - wie die Demolierung der alten Mathäuskirche - störten die baukünstlerische Ausprägung empfindlich. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkireges führten schließlich zu einer Neuerrichtung der gesamten Bebauung.

 

Die Grundstücke waren von Sckell allerdings so angelegt, dass die nachfolgenden Generationen von Architekten und Stadtplaner die Bebauungen innerhalb ihrer Grenzen freizügig entwickeln konnten. Der baulichen Dichte stand so von Anfang an ein öffentlicher Freiraum als Spiel- und Kompensationsfläche zur Verfügung. Dieser wird jedoch nahezu komplett vom Verkehr dominiert. Die Qualitäten des Stadtraums sind dadurch kaum mehr wahrnehmbar.

 

Den acht Fahrspuren, vier Straßenbahntrassen sowie diffusen, kleinteiligen Verkehrsmöblierung zum Trotz debütiert die Sonnenstrasse seit einigen Jahren als neue Partymeile. Das funktionelle Potential hierzu resultiert aus der innerstädtische Lage mit dem unmittelbaren Kontakt zur historischen Stadt sowie dem angrenzenden Bahnhofs- und Klinikviertel. Der verweilen wollende Bürger und Stadtspaziergänger muss sich das Areal als Stadtraum erst wieder zurückerobern.

 

 

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1 ∕ 2014
Robert Rechenauer


Beitrag zur  STADT BAU KUNST  des  BDA Bayern

 

 

Bildnachweis
Robert Rechenauer Architekten
Mitarbeit Tatjana Ganz
 
Literaturhinweise
Bayerischer Architekten- und Ingenieur-Verband e. V. (Hg.), München und seine Bauten nach 1912,
Bruckmann Verlag München 1984
Habel Heinrich ∕ Hallinger Johannes ∕ Weski Timm, Denkmäler in Bayern - Landeshauptstadt München Mitte, Karl M. Lipp Verlag München 2009

 

 

 


 

 

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