Info
R

Robert Rechenauer Architekten

Hans-Sachs-Straße 6  80469 München  Telefon 089 236856‑0
info@rechenauer-architekten.de
1 ⁄ 15 2 ⁄ 15 3 ⁄ 15 4 ⁄ 15 5 ⁄ 15 6 ⁄ 15 7 ⁄ 15 8 ⁄ 15 9 ⁄ 15 10 ⁄ 15 11 ⁄ 15 12 ⁄ 15 13 ⁄ 15 14 ⁄ 15 15 ⁄ 15

Stadtkirche Bad Reichenhall
Umgestaltung und Sanierung des Innenraums

Das neogotische Kleid, das Architekt Ludwig Hoff­stadt der evan­ge­li­schen Stadt­kirche in Bad Reichen­hall verlieh, prägt ihre Gestalt bis heute. Dabei wurde der Innen­raum seit seiner Weihe im Jahr 1881 öfters grund­legend ver­ändert. Sanie­rungs­bedarfe lösten in geradezu regel­mäßigen Abständen gestal­terische Nach­besse­rungen aus. 2027 steht nach über 40 Jahren wieder eine Sanierung des Kirchenraums an.

+–

Vertikale und horizontale Prinzipen begegnen sich an diesem Ort. Die steilen Pro­por­tio­nen der neo­go­ti­schen Grund­fas­sung ste­hen im Kon­tra­post zur Grün­dung, wel­che durch die An­he­bung des Kir­chen­raums auf einem Sockel be­tont ist. Der Kir­chen­raum bie­tet Per­spek­ti­ven in beide Rich­tun­gen: nach oben in den Him­mel und die Weite des Erd­kreises. Dies ent­spricht den trans­zen­den­ten und im­man­en­ten Di­men­sio­nen, die auch dem Got­tes­dienst eigen sind. Die Aus­legung des Bil­des von Him­mel und Erde bestimmt die über­ge­ord­ne­te Gestal­tungsidee.

Die be­geh­ba­re Raum­zone unterhalb der Kir­chen­fens­ter (Sockel und Bo­den) nimmt die Ge­mein­de und den Li­tur­gen auf, die Zone wird als die „ir­di­sche“ in­ter­pre­tiert: Sockel und Bo­den for­men einen „schütz­enden Trog“, in dem sich Ge­mein­de und Pfarrer ver­sam­meln und den Got­tes­dienst feiern. Die Raum­zone ober­halb des Sockels (Kir­chen­fens­ter, Li­se­nen, Dien­ste und Ge­wölbe) ist dem un­mit­tel­ba­ren Zu­gang ent­rückt, die Zone wird als die „trans­zen­den­te“ ver­stan­den: die Bereiche sind nicht hap­tisch, son­dern nur vi­su­ell oder akus­tisch zu er­fahren. Die auf­stei­gen­den Wände mit den Kir­chen­fens­tern und dem Ge­wölbe bilden die „himm­li­sche Sphäre“.

Der bestehende Al­tar­be­reich wird zu­rück­ge­baut und durch ein durch­gän­gi­ges Po­di­um er­wei­tert. Dies ver­schafft der Ge­mein­de grö­ße­re Spielr­äu­me bei der Ge­stal­tung von Got­tes­diens­ten und Kon­zer­ten. Der be­ste­hen­de Tep­pich wird ent­fernt und die darunter liegenden bau­zeit­li­chen Flie­sen in Teilbereichen in situ re­stau­riert. Die Po­des­te aus Fich­ten­holz wer­den zurückgebaut und höhengleich mit den Fliesen und einem Ter­razzo­boden neu er­richtet.

Im Terrazzo fin­den stark be­schä­dig­te Fliesen als Zuschlagstoff eine Wei­ter­ver­wer­tung. Nach Jahr­zehn­ten treten die Farb­töne „El­fen­bein“ und „Mokka“ wieder in Erscheinung. Das Bruchmaterial, das sich in der Struktur deutlich von den Oberflächen der historischen Fliesen absetzt, verleiht dem Kir­chen­raum einen neu­en ge­stal­te­rischen Auf­tritt. Ne­ben einer öko­lo­gisch sinn­vol­len Kreis­lauf­wirt­schaft wird so der denk­mal­ge­schütz­te Be­stand im Sinne einer „Weiter­erzählung“ ideell fort­geschrieben.


Gebäudedaten
330qm Netto-Raumfläche NRF
400qm Bruttogrundfläche BGF
4.400cbm Bruttorauminhalt BRI
 

2024 Projektstart
2026 Entwurf
2027 geplanter Baubeginn 
2028 geplante Fertigstellung


Die Fotografien zeigen das Gebäude im Bau­zu­stand von März 2025.

Bauherr
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
Stadtkirche Bad Reichenhall

Robert Rechenauer
Architekt BDA

Mitarbeit
Hadiel Khuri
Natalie Grothe
Leonhard Rechenauer

Fotografie
Andrew Phelps