Stadtkirche Bad Reichenhall
Umgestaltung und Sanierung des Innenraums
Das neogotische Kleid, das Architekt Ludwig Hoffstadt der evangelischen Stadtkirche in Bad Reichenhall verlieh, prägt ihre Gestalt bis heute. Dabei wurde der Innenraum seit seiner Weihe im Jahr 1881 öfters grundlegend verändert. Sanierungsbedarfe lösten in geradezu regelmäßigen Abständen gestalterische Nachbesserungen aus. 2027 steht nach über 40 Jahren wieder eine Sanierung des Kirchenraums an.
Vertikale und horizontale Prinzipen begegnen sich an diesem Ort. Die steilen Proportionen der neogotischen Grundfassung stehen im Kontrapost zur Gründung, welche durch die Anhebung des Kirchenraums auf einem Sockel betont ist. Der Kirchenraum bietet Perspektiven in beide Richtungen: nach oben in den Himmel und die Weite des Erdkreises. Dies entspricht den transzendenten und immanenten Dimensionen, die auch dem Gottesdienst eigen sind. Die Auslegung des Bildes von Himmel und Erde bestimmt die übergeordnete Gestaltungsidee.
Die begehbare Raumzone unterhalb der Kirchenfenster (Sockel und Boden) nimmt die Gemeinde und den Liturgen auf, die Zone wird als die „irdische“ interpretiert: Sockel und Boden formen einen „schützenden Trog“, in dem sich Gemeinde und Pfarrer versammeln und den Gottesdienst feiern. Die Raumzone oberhalb des Sockels (Kirchenfenster, Lisenen, Dienste und Gewölbe) ist dem unmittelbaren Zugang entrückt, die Zone wird als die „transzendente“ verstanden: die Bereiche sind nicht haptisch, sondern nur visuell oder akustisch zu erfahren. Die aufsteigenden Wände mit den Kirchenfenstern und dem Gewölbe bilden die „himmlische Sphäre“.
Der bestehende Altarbereich wird zurückgebaut und durch ein durchgängiges Podium erweitert. Dies verschafft der Gemeinde größere Spielräume bei der Gestaltung von Gottesdiensten und Konzerten. Der bestehende Teppich wird entfernt und die darunter liegenden bauzeitlichen Fliesen in Teilbereichen in situ restauriert. Die Podeste aus Fichtenholz werden zurückgebaut und höhengleich mit den Fliesen und einem Terrazzoboden neu errichtet.
Im Terrazzo finden stark beschädigte Fliesen als Zuschlagstoff eine Weiterverwertung. Nach Jahrzehnten treten die Farbtöne „Elfenbein“ und „Mokka“ wieder in Erscheinung. Das Bruchmaterial, das sich in der Struktur deutlich von den Oberflächen der historischen Fliesen absetzt, verleiht dem Kirchenraum einen neuen gestalterischen Auftritt. Neben einer ökologisch sinnvollen Kreislaufwirtschaft wird so der denkmalgeschützte Bestand im Sinne einer „Weitererzählung“ ideell fortgeschrieben.
Gebäudedaten
330qm Netto-Raumfläche NRF
400qm Bruttogrundfläche BGF
4.400cbm Bruttorauminhalt BRI
2024 Projektstart
2026 Entwurf
2027 geplanter Baubeginn
2028 geplante Fertigstellung
Die Fotografien zeigen das Gebäude im Bauzustand von März 2025.